Ritualdynamik beim Gebrauch von psychoaktiven Substanzen (zurück)

Ritualisierter Drogenkonsum

Rituale beim Gebrauch von Substanzen, die das Bewusstsein verändern, gibt es wahrscheinlich schon seit Menschengedenken. Schon immer neigt der Mensch dazu, gewisse Handlungen, die er für wichtig erachtet, in einem zeremoniellen Rahmen zu betten. Er verleiht damit der jeweiligen Substanz eine besondere Stellung, die ihre herausragende Rolle betont und unterstreicht damit ihre gesellschaftliche Rolle. Auch heute, in einer Zeit, die nahezu ohne Rituale auskommt, etablieren sich ausgerechnet im Bereich der Drogengebraucher diese alten Traditionen neu.

Rituale beim Drogengebrauch Bei Menschen, die Haschisch oder Marihuana rauchen, hat es sich eingebürgert, dass man gerne im Kreis sitzt, gemeinsam eine Tüte teilt und diese herumgibt. Seit vielen Jahren sagt man dann auch, „wer baut, der raucht“. Außerdem ist inzwischen oft zu beobachten, dass man bedankend respektvoll nach dem Ziehen die Tüte in der Hand sich an die Stirn tippt.

Beim Konsum von Drogen durch die Nase, wie es beim Kokain oder Speed vorkommt, haben sich ebenfalls kleine Rituale etabliert. So hat oft jeder sein eigenes Ziehröhrchen, welches nicht selten aus Silber oder sogar vergoldet ist. Dass die Substanz auf einem kleinen Spiegel gehäckt wird, ist ebenfalls Teil eines ritualisierten Drogenkonsums. Außerdem werden beim Häcken genau so viele Lines gelegt, wie Personen anwesend sind.

Der Konsum von Psychedelika - wie LSD oder Pilzen - ist in ganz besonderer Weise ein gemeinsames Erlebnis. Deshalb wird beim ritualisierten Gebrauch dieser Substanzen zunächst besonders darauf geachtet, dass man sie zeitgleich einnimmt, somit von Beginn an eine Atmosphäre schafft, die ruhig und relativ frei von äußeren Einflüssen ist, also dem Beginn der „Reise“ also höchste Aufmerksamkeit schenkt. Hierfür gilt als ungeschriebenes Gesetz daher, dass man die Zeit des Trips zusammen verbringt. Das gewährleistet, dass sich verkomplizierende persönliche Situationen von der Gruppe aufgefangen werden können.

Bei der Verwendung von Psilocybin in Form von Pilzen ist ein Ritual, dass man Pilze, die zusammengewachsen sind, auch zusammen lässt, gerade wenn man ein Paar ist. Für den Konsum werden diese beiden auseinander gerissen, so dass jeder eine Portion erhält.

Drogenkonsum bei Jugendlichen

RISA ist ein Forschungsprojekt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Abteilung für Medizinische Psychologie an der Universität Heidelberg getragen wird. Seit Sommer 2002 führt RISA als Teil des DFG-Sonderforschungsbereichs Ritualdynamik eine Langzeitstudie zum Gebrauch und Missbrauch psychoaktiver Substanzen durch.

Die Studie interessiert sich für Rituale, kontrollierten Drogengebrauch und Informationen, die zur Verbesserung von Harm-Reduction-Ansätzen (d.h. Schadensbegrenzung oder Safer-Use) führen. RISA ist die Abkürzung von Ritualdynamik und Salutogenese (Gesundheitsentwicklung).

In einer auf 10 Jahre konzipierten, prospektiven Längsschnittstudie soll die Entstehung, die Dynamik und der entwicklungspsychologische Stellenwert von Ritualisierungen im Umgang mit legalen und illegalen psychoaktiven Substanzen bei Jugendlichen erforscht werden (Nikotin, Alkohol, Marihuana, Ecstasy, LSD, Kokain).

Es geht darum, das Vorhandensein, die Funktionen und Veränderungen von Ritualisierungen beim Substanzkonsum festzustellen und auf längere Sicht deren Relevanz und Beeinflussbarkeit zu beurteilen.

Für welche Jugendliche und unter welchen Umständen kann Drogenkonsum die Funktion eines Übergangsrituals erfüllen? Schutz- und Risikofaktoren auf der Grundlage des Salutogenesekonzepts sollen bestimmt werden, die auch einen Ausgangspunkt für neue Präventionsansätze im Rahmen des Harm-reduction-Modells bilden können. Des weiteren ist zu fragen, ob, bei wem und wie sich eine mit schamanischen Ritualtraditionen verwandte sakrale Dimension des Substanzkonsums in modernen Subkulturen manifestieren kann (Techno-Szene?)

Weblink:

Institut für Medizinische Psychologie - Ritualdynamik und Salutogenese beim Gebrauch und Missbrauch von psychoaktiven Substanzen

Weiterführende Informationen:

PDF-Download:
Fachinformation "Wie gefährlich ist Cannabis?" Metastudie von Frau Dr. Nicole Krumdiek

Suchthilfe für Kiffer - eine Kritik

Cannabis als Medizin

Psychedelic Welfare:

Die Psychedelische Ambulanz von eclipse e. V.

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