Prävention - eine Form der Kontrolle?(zurück)

Prävention - eine Form der gesellschaftlichen Kontrolle?

Über Prävention wird viel nachgedacht und geschrieben. Konzepte gibt es nur wenige und die, die es gibt, können nur sehr schwer evaluiert werden, da es keine wissenschaftlich fundierte Möglichkeit gibt, den Erfolg oder Misserfolg einer präventiven Maßnahme auszuwerten. Man kann eben nicht wissen, ob ein Mensch zum Beispiel nicht drogenabhängig geworden wäre, wenn er vorher in der Schule Besuch von Sozialarbeitern bekommen hätte, die ihm die etwaigen Gefahren eines Drogenmissbrauchs plakativ erläutert hätten. Das Problematische an Präventionskonzepten ist immer, dass sie ein normatives Verhalten vorgeben, da sie vor problematischem Verhalten warnen und somit ein "ideales" Verhalten voraussetzen.

Gerade das Thema "Drogen" schafft in der Präventionsarbeit mannigfaltige Herausforderungen: Wie sollen "Drogenabhängigkeit" und "Drogenmissbrauch" von "Drogenkonsum" und "Drogengebrauch" konkret abgegrenzt werden? Und das, ohne in den Verruf zu kommen, Bedienungsanleitungen zum Konsum von ohnehin illegalisierten Substanzen zu geben.

Die Antwort ist einfach: Es geht nicht!

Bei einem Gespräch mit einem Schulleiter in einer Berliner Schule im Vorfeld einer "Drogen-Präventionsarbeit" mit Schülern der 7. – 9. Klassen, wurde die Problematik mehr als deutlich. Das Konzept - mit dem dann auch gearbeitet wurde - beruht auf Ideen der "Akzeptierenden Drogenarbeit". Das heißt, auf der Annahme, dass Drogenkonsum grundsätzlich ein Bestandteil jeder Gesellschaft ist und dass eine vernünftige Präventionsarbeit deshalb auch Aspekte einschließt, die risikoarme Konsumformen und autonome Entscheidungsfähigkeiten – in Abgrenzung zum "Abhängigkeitsmodell" - mit einschließt.

"Wenn wir das so machen, rennt mir die Elternvertretung die Türe ein", waren die nervösen Worte des Schulleiters, "Sehen Sie, wir sind eine staatliche Schule und müssen die gesetzlichen Vorgaben, auch was Betäubungsmittel angeht, beachten… Drogen sind nun mal verboten."

Die Lösung des "Problems" war dann, die Arbeit gemeinsam mit Vertretern der Polizei zu machen. Diese gingen parallel zu uns in die Klassen und klärten den autoritätsgewohnten Schüler über strafrechtliche Implikationen bezüglich illegalisierter Substanzen auf.

Für die Beteiligten Projekte – hier Ehemalige und Streetworker – ist das ein herber Schlag ins Gesicht. Einmal mehr zeigt sich, dass staatliche Kontrollmechanismen eine offene und realitätsnahe Sicht auf die Welt verbauen.

Gundula Barsch bei 3sat

Konzepte zur Prävention:


Von der Drogennaivität zur Drogenmündigkeit von Gundula Barsch

Zur Homepage von Gundula Barsch

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