Definition des Präventionsbegriffes(zurück)
Entwurf eines integrierten Handlungsansatzes, der präventive und kurative Aspekte der Problemlösung berücksichtigt
Die Sozialwissenschaft unterscheidet 3 Dimensionen der Prävention:
Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention.
Im Kern definieren und unterscheiden sich die Zielgruppen in ihrer Größe und Charakteristik voneinander.
Primärprävention ist deckungsgleich mit dem umfassendsten Begriff von Vorsorge:
Die Generalprävention. Generalpräventive Botschaften sind unspezifisch, auf keine besonders charakteristische gesellschaftliche Gruppe gerichtet. Sie bedienen Öffentlichkeit und jedes andere Publikum.
Im Suchthilfe-Kontext heißt das:
Drogenkonsum kann problematische Folgen haben. Sucht ist eine manifeste Form des Drogenkonsums mit Verlust der Steuerungsfähigkeit in Bezug auf die persönliche Lebensführung und –planung.
Parallel dazu ist der Verlust der Erwerbsfähigkeit oder aber die Unfähigkeit, sich in einen Beschäftigungszusammenhang zu begeben und ihn zu halten, ein Zeichen sozialer Desintegration.
Sekundärprävention zielt auf eine soziale Untergruppe, deren Gefährdungspotenzial sich von dem der Allgemeinbevölkerung deutlich hervorhebt.
Es gibt Menschen mit Drogenproblemen, die zudem ein Problem in der Arbeitsintegration, Beschäftigung, grundsätzlich sozialer Integration haben. Für dieses Publikum muss es besondere Fördermethoden und Hilfemaßnahmen geben.
Tertiärprävention dokumentiert den Befund, dass es eine ganz spezifische Zielgruppe gibt, die einerseits über langjährige Drogenerfahrung verfügt, drogenabhängig ist und ohne Hilfe keine Lebensperspektive außerhalb des Drogenkontextes entwickeln kann.
Gleichzeitig hat diese Gruppe subjektiv und objektiv keine gleichberechtigten Chancen, auf dem Arbeitsmarkt Positionen zu besetzen, mit anderen Gruppen um Beschäftigungsplätze konkurrieren zu können oder andere Formen der Teilhabe am öffentlichen Leben zu verwirklichen.
Der integrierte Handlungsansatz der Suchthilfe Berlin zeichnet sich vor allen anderen suchtunspezifischen aus:
- Er umfaßt psychosoziale Betreuung und Begleitung, aufeinander aufbauende Projekte der Wohnungslosenhilfe von professionellen Angeboten bis zur Selbsthilfe und Maßnahmen der beruflichen Qualifizierung, Bildung und Beschäftigung.
- Er setzt sich aus verschiedenen Angebotsbausteinen zusammen (Modulcharakter).
- Er integriert verschiedene Zielgruppen in Maßnahmen (Konsumenten legaler und illegaler Suchtmittel, Substituierte sowie abstinent lebende und aktuell konsumierende Suchtkranke)
Der integrierte kurative und präventive Ansatz sieht vor, die Drogenabhängigkeit zu fokussieren und die Drogenbindung schrittweise zu lösen und aufzuheben, begleitet durch weitere gesundheitsfördernde Maßnahmen, die sich stabilisierend auf den Lebensalltag der Klientel auswirken.
Basierend auf der Kenntnis der Stärken und Schwächen der Klientel (Ressourcenorientierung) verhindert der entwickelte Arbeitsansatz eine weitere soziale Desintegration und fördert stattdessen eine gesündere Lebensplanung und ihre Integration in das soziale Leben.
Wissen, Beschäftigung und Einbindung in ein soziales Alltagsleben ist identitätsstiftend und existenzsichernd.
Der Kontext Gesundheitsförderung - Sicherung der Unterkunft - Bildung - Beschäftigung umfasst perspektivisch die Rahmenbedingungen, die soziale Integration fördern und langfristig Drogenbindung lösen helfen.
Kay Phillipp, 27.11.09
(Kay Phillipp war jahrelanger Vorstand im Drogen-Info-Berlin, Leitender Angestellter beim ADV e. V. und realisiert heute die Projektleitung "ESF-Maßnahme Modulare Qualifizierung Holztechnik" des ADV)
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