LSD25 | Lysergsäurediäthylamid(zurück)
Die industrialisierte Zivilitation des westlichen Kulturkreises hat außergewöhliche Bewusstseinszustände pathologisiert, den jeweiligen Kontext und die Mittel dafür entweder beseitigt, oder sogar gesetzlich abgeschafft, sowie effektive Methoden entwickelt, dieselben zu unterdrücken, sollten sie gar spontan auftreten.
LSD-25 hat also seit seiner Entdeckung kontroverse Diskussionen ausgelöst. Nach dem vermehrten Konsum psychedelischer Substanzen in den späten 60er und beginnenden 70er Jahren, ist heute eine Partykultur entstanden, in der unter anderem wieder ein verstärkter Bedarf an diesen Substanzen zu beobachten ist.
Da eine öffentliche Auseinandersetzung über die Risiken und Gefahren, die solch ein Konsum mit sich bringt, ausgeblieben ist, ist es uns ein besonderes Anliegen, mit diesem Artikel ebendieser Entwicklung entgegenzuwirken und eine möglichst objektive und wirklichkeitsnahe Information zu diesem Thema beizutragen. (siehe auch: Psycholytische Therapie)
Allgemeines:
Die Einnahme von LSD erfolgt heute vermehrt im Zusammenhang mit einer Party und nicht selten tritt ein Mischkonsum mit anderen, in der Regel nicht psychedelisch wirkenden Substanzen wieMDMA oder Amphetaminen, ein. In der Regel verstärken sich diese Substanzen nur bedingt, sodass die Substanz mit der höchsten Wirkdosis den Rausch dominiert.
Nicht selten führt der Konsum von LSD in einer solchen Umgebung lediglich
zum Verlust der Logik und damit zu der Schwierigkeit, sich zu artikulieren
und zu mehr oder minder starken Halluzinationen. Die Qualität des angebotenen
LSD schwankt zwischen gänzlich ohne Wirkung bis hin zu
einer wirksamen Dosis zwischen 250 und 800 Mikrogramm. Aus diesem
Grunde
ist der Erwerb von illegalem LSD heute insofern mit Risiken verbunden, als
dass der Konsument erst nach der erfolgten Einnahme anhand der Stäke
der Wirkung Rückschlüsse auf die Dosierung schließen kann.
In ganz seltenen Fällen ist das angebotene LSD aber tatsächlich
synthetisch hergestelltes Meskalin oder ALD-52 (auch "Sunshine Acid", so wurden in den 70er Jahren Trips bezeichnet, welche ALD-52
enthielten[N-Acetyl-Lysergic Acid Diethylamide-52] ). Insgesamt
ist zu beobachten, dass sich in der Partykultur bestimmte Sorten von LSD-Trips,
erkennbar an ihren Aufdrucken, durchgesetzt haben und aufgrund ihres Reinheitsgehaltes
von LSD-Usern bevorzugt konsumiert werden.
Die Wirkung von LSD:
Die Wirkungsweise von Lysergsäurediäthylamid-25 unterscheidet sich
grundlegend von der Wirkung anderer, nicht psychedelischer Substanzen.
In der Regel beginnt der Rausch etwa dreißig bis sechzig Minuten nach
der Einnahme. Die Art der Wirkung von LSD ist stark abhängig von dem Gemütszustand
des Verwenders. Denn anders als viele andere etablierte Drogen produziert
LSD nicht automatisch ein positives, kontrollierbares Erleben, sondern verstärkt
den bereits vorhandenen Gemütszustand und macht verdrängte seelische
Inhalte bewusst.
Dieser Effekt ist in einer psycho-therapeutischen Situation durchaus
erwünscht, kann aber in einer schnelllebigen oberflächlichen Partykultur
zu erheblichen Problemen führen. LSD ist eine Substanz, welche vor allem
auf die Psyche wirkt. Sie schaltet gewohnheitsmäßige Kontrollmechanismen
und Reflexe aus, sodass selbst eine einfache Sache wie das „Nachdenken“
schon mal zu einem großen Problem werden kann.
Dinge, die betrachtet
werden, bekommen einen anderen Sinn und die Fähigkeit, logische Rückschlüsse
zu ziehen, schwindet. Ein typisches Zeichen hierfür ist der partielle
Sprachverlust bzw. die Unfähigkeit, einem „roten Faden“ im
Gespräch zu folgen. Aus diesem Grund entsteht oft der Eindruck eines
Identitätsverlustes, weshalb LSD auch die Eigenschaft zugeschrieben wird,
es führe zum Auflösen des „Ich“
Gepaart
mit diesen Eigenschaften tritt eine ungewohnte emotionale Bewusstwerdung ein.
Mit der Tiefe des Erlebens folgt unwillkürlich eine intensive Wahrnehmung
der eigenen Gefühlswelt und damit auch der persönlichen Konflikte
und Verdrängungsmechanismen.
Im besten aller Fälle wurden Zeit,
Ort und vertraute Personen bewusst gewählt, sodass eine authentische
und offene Auseinandersetzung mit den eigenen Defiziten möglich ist.
Dann ist der Konsument in der Lage, Verletzungen und Traumatisierungen zu
verbalisieren und emotional erlebbar zu machen, um in einem Prozess der Aufarbeitung
die tief greifende Erfahrung des Selbst zu ermöglichen. Dies kann durchaus
als eine klassische Form der Selbsterfahrung gewertet werden.(siehe auch:Anaklitische Therapie)
Darüber
hinaus berichten an dieser Stelle viele Konsumenten von grundlegenden spirituellen
Erfahrungen.
Risiken und Gefahren im Gebrauch von LSD-25
Ohne das oben erwähnte bewusste Wählen der Zeit, des Ortes und vor
allem der mitreisenden Personen können erhebliche Risiken und Gefahren
den Trip begleiten.
Da sich wider Erwarten LSD zum Teil in der Partyszene etabliert hat, gibt
es eine große Anzahl von Menschen, die unwissend und unvorbereitet in
diesen nicht alltäglichen Bewusstseinszustand eintreten.
Da bei LSD-25 die psycho-therapeutische Komponente überwiegt, aber in
einer Partysituation kaum echte Auseinandersetzungen stattfinden, ist die
Zahl derer, die über schlechte LSD - Erfahrungen klagen,
sehr hoch.
Zudem werden in diesem Zustand alle emotionalen Kanäle geöffnet
und Schutzmechanismen aufgehoben, wodurch der User ungewohnt offen und hypersensibel
wird. Dies kann in einer rauen und unterkühlten zwischenmenschlichen
Umgebung dazu führen, dass Verletzungen und vorhandene Konflikte präsent
werden und Affekthandlungen auslösen.
Sogar ganz allgemeine negative
Gemütszustände, ausgelöst etwa durch eine Trennung, den Verlust
eines lieben Menschen oder des Arbeitsplatzes, können durch die Einnahme
von LSD verstärkt werden.
Der Verlust von Gedanken und der Unfähigkeit,
über die einfachsten Dinge nachzudenken, löst bei vielen Menschen
die Angst aus, einen Identitätsverlust zu erleiden, in dem ihr „Ich“
sich auflöst.Einige berichten gar von der Angst, verrückt zu werden
bzw. „hängen zu bleiben“.
Für Menschen mit Traumatisierungen
– z. B. Gewalt oder Missbrauch in der Kindheit – birgt die Verwendung
von LSD ein besonders unkalkulierbares Risiko, zumal diese Erfahrungen oftmals
verdrängt wurden und es keine bewusste Erinnerung daran gibt. Da LSD
die Eigenschaft hat, an den Ort der größten Emotion anzuknüpfen
und diese bewusst macht, kann es dazu kommen, dass auch frühkindliche
Störungen wieder erlebt werden, ohne dass eine psycho-therapeutische
Unterstützung dieses auffangen kann.
Grundsätzlich ist zu sagen,
dass Menschen mit Ängsten vor LSD, wie etwa dem „Hängenbleiben“,
mit Traumatisierungen, die psycho-therapeutisch noch nicht aufgearbeitet wurden
oder Menschen mit Komplexen, z. B. des Selbstwertes, den Konsum von LSD und
anderen psychoaktiven Drogen vermeiden sollten.
Sollte trotz des Lesens dieses Artikels ein Gefühl der Überdosierung
entstanden sein, kann mit fachärztlicher Beratung zur Einnahme von Benzodiazepinen
(Valium) geraten werden, welches die Wirkung innerhalb kürzester Zeit
aufhebt.
Copyright 2008 by Verena Schygulla und Kai Morgenstern
Achtung:
Sowohl LSD wie Psilocybin sind körperlich gut verträgliche und somatisch ungefährliche Substanzen. Relative Kontraindikationen sind instabile internistische Erkrankungen, welche durch die psychologischen Auswirkungen wie Angst und Erregung verschlechtert werden können. Obwohl keine Teratogenität (fruchtschädigenden Eigenschaft) bekannt ist, ist die Anwendung während der Schwangerschaft kontraindiziert. LSD und Psilocybin können als Halluzinogene mit teilweise zentral stimuliterender Wirkung bei prädisponierten Personen epileptische Anfälle auslösen.
Das bedeutet, die Einnahme von LSD kann unter Umständen bei Menschen mit einer Disposition (Veranlagung) zur Epilepsie starke Krampfanfälle auslösen. Aus diesem Grund sollten Menschen, die in der Vergangenheit schon einmal einen epileptischen Anfall hatten, unbedingt auf die Einnahme von LSD verzichten.
Auf die Anwendung von Halluzinogenen (LSD, Psilocybin usw.) ist bei bekannten schizophrenen Psychosen, bei manisch-depressiven Erkrankungen und auchBorderline-Störungen unbedingt zu verzichten.
LSD gehört - als psychotherapeutisches Werkzeug - in die Hände von Fachkräften!
(siehe auch: Psycholytische Therapie)
(siehe auch: MDMA in der Psychotherapie)
(siehe auch: Ritualdynamik beim Gebrauch von psychoaktiven Substanzen)
Weiterführende Informationen:
Therapie mit psychoaktiven Substanzen - Praxis und Kritik der Psychotherapie mit LSD, Psilocybin und MDMA, Verlag Hans Huber,ISBN 978-3-456-84606-4
Stanislav Grof: LSD-Psychotherapie,
ISBN: 978-3-608-94017-6
Hanscarl Leuner (1918-1996)Pionier der Halluzinogenforschung und psycholytischen Therapie
Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies (MAPS)
Psychedelic Welfare:
Die Psychedelische Ambulanz von eclipse e. V.
PDf´s zum Thema:
PDF-Download:![]()
LSD mein Sorgenkind von Albert Hofmann
PDF-Download:![]()
Fachinformation Psychedelika von Hans Cousto
Lysergsäurediäthylamid fällt unter das BtmG und ist in Deutschland verboten! Wir wollen mit diesem Beitrag niemanden zum Konsum der Substanz animieren, sondern über Wirkungen und Risiken informieren. Die AutorInnen können keinerlei Verantwortung für eventuelle Konsequenzen übernehmen, die sich aus dem Gebrauch der Substanz ergeben!
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