Legal Highs - gefährliche Kräutermischungen(zurück) drucker

Auf dem Horrortrip durch Badesalz

Kräutermischungen, die in Wahrheit Rauschdrogen sind: Die Illegalisierung von bestimmten Substanzen hat einen Schwarzmarkt hervorgebracht. Auf diesem wilden und unkontrollierten Gebiet haben es profitgierige Anbieter leicht: Der Drogenmarkt bringt immer neue gefährliche Substanzen hervor. US-Fahnder schlagen jetzt Alarm. Sie warnen vor Badesalzen, die Menschen in Depression, Selbstverstümmelung und Selbstmord treiben.

Verkauft werden sie in Tütchen, mal als Kräutermischung, mal als Duftgemisch fürs Räuchermännchen, mal als duftender Badezusatz. Sie haben poetische, mitunter esoterische Namen und ansonsten vor allem eines gemein: Sie sind dafür gedacht, missbraucht zu werden. Sich den Schädel zuzuknallen, sich einen Rausch abzuholen, an den Regularien und Gesetzen vorbei als Droge frei gehandelt zu werden. Und sie sind kräftig, mitunter gefährlich - und manchmal sogar lebensbedrohlich.

In Deutschland sind sogenannte Legal Highs - immer wieder neue Stoffe, die von der Drogengesetzgebung noch nicht erfasst sind - ein altbekanntes Problem. Seit rund einem Jahrzehnt wurden vor allem per Internet, später auch über die sogenannten Head Shops verkaufte Kräutermischungen populär, die oft als Räuchermittel angepriesen von ihren Nutzern in Wahrheit geraucht oder geschnupft wurden.

legal heighs Viele dieser Mischungen enthielten und enthalten synthetische Cannabinoide, also dem Haschisch-Wirkstoff THC verwandte Stoffe. Notorisch bekannt wurde vor allem das zeitweilig äußerst erfolgreiche "Spice", das auch zum Auslöser dafür wurde, dass diese Cannabinoid-Kräutermischungen in Deutschland vor zwei Jahren auf die Drogenliste wanderten: Die gemessene Wirkstoffkonzentration dieser Mixe lag mitunter beim 20-fachen von dem, was mit natürlich gewachsenen Hanfprodukten zu erreichen ist.

Berichte darüber, dass dieses Problem per Gesetz erledigt sei, erweisen sich seitdem immer wieder als verfrüht. Erst am 18. Januar konnte die Münchner Polizei einen Erfolg feiern, als sie im Rahmen von Razzien gegen sogenannte Head- oder Army Shops 670 Päckchen mit drogenhaltigen Kräutermischungen konfiszierte. Warum so etwas auch nach dem Verbot immer noch in Massen angeboten wird, wird klar, wenn man auf den "Beifang" sieht: Konfisziert wurden auch 263.430 Euro Einnahmen. Denn für die Händler bringen die Kräuterpäckchen Gewinnmargen bis zu 250 Prozent - im klassischen Cannabis-Handel sind für Händler angeblich nur 50 bis 100 Prozent Marge zu erzielen.

Kräuter und Salze: Immer mehr, immer härter

Anhaltend beliebt sind die Päckchen auch bei der "trippenden" Kundschaft - sie wirken weit härter als klassische THC-Produkte. Immer wieder, berichtet Armin Aumüller, Leiter der Münchner Drogenfahndung, müssten Konsumenten in den Notaufnahmen sogar wiederbelebt werden. Wirkungen und Nebenwirkungen der ständig wechselnden Tütchen-Produkte seien völlig unberechenbar, Herz, Kreislauf- und Nervensystem könnten beeinträchtigt werden.

Zuletzt warnte das Bundeskriminalamt (BKA) im Dezember vor den Gefahren der vermeintlich harmlosen Legal Highs: "Dem BKA wurden Fälle aus ganz Deutschland bekannt, in denen es nach dem Konsum von Legal High-Produkten zu teilweise schweren, mitunter lebensgefährlichen Intoxikationen kam. Die meist jugendlichen Konsumenten mussten mit Kreislaufversagen, Ohnmacht, Psychosen, Wahnvorstellungen, Muskelzerfall bis hin zu drohendem Nierenversagen in Krankenhäusern notfallmedizinisch behandelt werden."

Auch im Nachbarland Österreich läuft gerade die Diskussion, wie man dem vermeintlichen, dort meist über Ungarn laufenden Kräuterhandel so beikommen könne, dass die Räucherpäckchen als das behandelt werden können, was sie sind: "Secret Bombs" - Drogenpäckchen mit bombiger Wirkung. Die, berichtete am Freitag der "Kurier", beruht meist auf den synthetischen Cannabinoiden JWH 122 und JWH 250 (oder auf sieben weiteren bekannten, aber weniger verbreiteten Stoffen ähnlichen Zuschnitts), die in den USA zur medizinischen Behandlung von Schmerz- und Krebspatienten entwickelt wurden.

31 neue Drogen in einem Jahr

Besonders betroffen von der seltsamen Drogenwelle ist derzeit Großbritannien. Dort fanden sich im Verlauf des letzten Jahres alle 31 neu entdeckten Drogentypen, die das European Monitoring Centre on Drugs and Drug Abuse (EMCDDA) 2010 erstmals identifizierte, im Gebrauch. Im Vorjahr fanden die EU-Experten 24 neue Drogen, im Jahr davor nur 13 - entweder, die Suchmethoden werden besser, oder die Methoden der Drogenpanscher, immer neue Mischungen zu erfinden.
Spiegel Online, 23.01.2011

Website zu Legal Highs´ und deren Inhaltsstoffe von Basis e. V.

Auf der Website "Legal-High Inhaltsstoffe.de" findet ihr fundierte Informationen zu den angebotenen, so genannten "Legal Highs". Wenn ihr auf die Site geht, dann auf der linken Seite einfach die Ziffern bzw Buchstaben "durchklicken".

Weiterführende Informationen

Informationen zu synthetischen Cannabinoiden (JWH 18)
Informationen zu Research Chemicals
Informationen zu Neuro Enhancer

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