Cannabis bald legal in Dänemark erhältlich?(zurück)

Stadtrat von Kopenhagen erwägt Legalisierung von Cannabis

Dänemark unterscheidet sich bezüglich seiner Drogenkultur beträchtlich von den anderen skandinavischen Ländern (Schweden, Norwegen, Finnland und Island) die eine sehr repressive Drogenpolitik verfolgen. Dänemark ist wie Deutschland eher ein Land von Biertrinkern als von Schnapstrinkern wie seine nördlichen und östlichen Nachbarn.

Der Besitz von Cannabis ist in Dänemark zwar illegal und kann grundsätzlich zu Geldstrafen oder bis zu 2 Jahren Haft führen. Der oberste Staatsanwalt hat jedoch in einem Rundschreiben im Jahre 1969 empfohlen, dass bei geringen Mengen das Verfahren mit einer Verwarnung einzustellen ist. Wer wiederholt im Besitz von illegalen Drogen erwischt wird, muß mit einer Geldstrafe von zwischen DKK 300 (40 €) und DKK 3000 (400 €) rechnen, je nach Art und Menge der Substanz.

Dänemark gehört zu den relativ cannabis-toleranten Ländern in Europa, was auch eine Folge davon ist, dass viele Dänen Cannabis aus eigener Erfahrung kennen. Im sogenannten "Freistaat Christiania", einem besetzten ehemaligen Kasernengelände im Herzen von Kopenhagen wird seit den 70er Jahren offen Cannabis verkauft, trotz mehrfacher Versuche der Regierung, das zu unterbinden. In Kopenhagen und anderen größeren Städten gibt es ausserdem sogenannte Hasch-Clubs, meist in Kellerrämen, wo Cannabis verkauft wird. Viele Abgeordnete des Parlaments (Folketinget) sind für eine Legalisierung, vor allem unter den Sozialdemokraten, der Sozialistischen Volkspartei, den Sozialliberalen, den Liberalen und den Grünen. Dagegen sind vor allem die konservativen Parteien, die derzeit die Regierung stellen. Es gibt auch eine (nicht im Parlament vertretene) Hanfpartei, die Hampepartiet. Der Stadtrat von Kopenhagen hat am 21.11.2011 der Einrichtung eines Ausschusses zugestimmt, welcher untersuchen soll, wie am besten die Legalisierung und Regulierung des Verkaufs von Marihuana in der dänischen Hauptstadt umgesetzt werden kann. Die Idee wird von Bürgermeister Frank Jensen unterstützt.

Wenn sich die Legalstellung durchsetzt, werden Haschisch-Konsumenten nicht mehr länger in Christiania einkaufen gehen müssen (Bild rechts). christiania_haschisch

Zwar gibt der Ausschuss seine Empfehlungen an das dänischen Parlament, wo ähnliche Bemühungen in der Vergangenheit blockiert wurden, aber einige dänische Politiker sagen, dieses Mal könnte es anders sein.

Die Abstimmung im Rat hat den Weg für einen Schritt geebnet, Kopenhagen zur ersten Stadt in Europa zu machen, welche Marihuana legalisiert. Hollands berühmte "Coffee Shops" verletzen die niederländischen Rechte, sind aber im Rahmen einer Politik der erlaubten "pragmatischen Toleranz" akzeptiert.

In der "Hippie-Enklave" Christiania werden der Handel und Konsum von Marihuana seit einigen Jahren geduldet, trotzdem bleiben Besitz und Verkauf von Cannabis nach dänischem Recht illegal. Der Besitz selbst kleiner Mengen kann zu einer Geldstrafe von bis zu $ 700 oder sogar Gefängnisstrafen nach sich ziehen. Dennoch ist der Kopenhagener Drogen-Markt (wie in allen anderen europäischen Staaten) stark und lebendig, mit einem jährlichen Umsatz von geschätzten $ 275.000.000, die meisten gehen an kriminelle Banden des entstandenen Schwarzmarkts.

Im Gegensatz zu dem holländischen Modell, welches weiter in einer rechtlichen Grauzone lebt, möchte Kopenhagen konkreter sein, vor allem was die Frage der Entkriminalisierung angeht. Auch die Frage, "wer" hier an die Konsumenten das Haschisch abgibt, soll eine Rolle spielen. Dazu Mikkel Warming: "Wer ist geeigneter, an Jugendliche Marihuana zu verkaufen? Ein Dealer, der vielleicht Interesse daran hat, auch härtere Drogen zu verkaufen, oder ein Beamter?" Auch sollen Fragen zur Altersgrenze und dem allgemeinen Geschäfts-Modell beantwortet werden: "Wir wollen kein Amsterdam-Modell. Wir wollen einen Weg, um Haschisch legal zu importieren oder Marihuana anzubauen, so dass kriminelle Banden nicht länger profitieren", sagte Warming.

Der Begriff des gesetzlich geregelten Marihuana-Handels hat erhebliche, aber nicht einhellige Unterstützung bei der dänischen politischen Klasse, berichtete die "Kopenhagen Post" (Link, siehe unten). Der Sozialdemokratische Ratsherr Lars Aslan Anderson sagte der Post, Legalisierung des Handels würde breiten Nutzen bringen und eine parlamentarische Mehrheit benötigen, die sie genehmigen müsste.

"Es ist besser, dass der Kopenhagener Rat Haschisch vertreibt und keine Kriminellen unterstützt", sagte er. "Ich hoffe, wir bekommen die Gelegenheit, eine neue Politik zu versuchen, weil wir einfach nicht weiter das sehr veraltete Verbot von Hashisch weiterführen können."

Quelle:

stopthedrugwar.org
Kopenhagen-Post

Haschisch ist in Deutschland verboten und fällt unter das BtmG. Wir wollen mit diesem Beitrag niemanden zum Konsum der Substanz animieren, sondern über Wirkungen und Risiken informieren. Die AutorInnen können keinerlei Verantwortung für eventuelle Konsequenzen übernehmen, die sich aus dem Gebrauch der Substanz ergeben!

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