Hanfparade 2011 - Drogenmündigkeit statt Repression(zurück)
Hanfparade: Der demokratische Rechtsstaat und seine unliebsamen Kritiker
Die Hanfparade 2011 ist vorüber. Die steigenden Besucherzahlen sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es aus drogenpolitischer Sicht noch viel Nachholbedarf gibt. Denn anders als bei der Loveparade ist das öffentliche Interesse verhältnismäßig gering, was man auch an der mangelnden Berichterstattung in den öffentlichen Medien sieht: Kein etablierter Fernsehsender hielt es für notwendig, über die Hanfparade zu berichten, oder wurde daran gehindert (wie das Medienprojekt PSI-TV). So war es dann für Behörden und vor allem die Polizei auch einfach, die Großdemonstration auszubremsen, den Ablauf zu stören und das Recht auf Versammlungsfreiheit zu beugen. Nicht nur die traditionelle Versammlung am Brandenburger Tor wurde mit fadenscheinigen Gründen verhindert, sondern auch der gesamte Zeitplan wurde von der Polizei insofern tangiert, dass die Wagen im Eiltempo durch die Stadt „getrieben“ wurden. Und das nur, um den behördlich genehmigten Ablauf einzuhalten. In einem Staat mit Recht auf freie Meinungsäußerung und dem Recht auf Versammlungsfreiheit sollte es eigentlich anders aussehen.
Haschischkonsum als gesellschaftliche Realität anerkennen
Dass Hanf nachweißlich seit 10.000 Jahren im europäischen Kulturland intensiv genutzt wird, scheint hier keine Rolle bei der objektiven Beurteilung der Forderungen der Hanffreunde zu spielen. Auch die Einschätzung vieler Mediziner und auch Richter, dem Haschisch (THC) eine andere Rolle in Medizin und Justiz einzuräumen, schenken die Regierenden keine Beachtung. Jede öffentliche Diskussion wird entweder verhindert, diffamiert oder durch Ignoranz gestraft. So werden seit vielen Jahrzehnten sämtliche Cannabiskonsumenten strafrechtlich verfolgt, kriminalisiert oder extrem unter Druck gesetzt, weil Haschisch länger als andere Drogen nachgewiesen werden kann und so z. B. bei einer Fahrzeugkontrolle zum Führerscheinentzug führt. Fahrer unter Alkoholeinfluss haben es da leichter, immerhin gibt es hier eine klare Regelung, welche bei Verstoß Anwendung findet.
Dass die Hanfparade eine der wenigen öffentlichen Demonstrationen ist, bei der es um drogenpolitische Themen geht, sollte nicht unerwähnt bleiben. Drogen spielen in unserer Kultur ganz allgemein eine große Rolle. Das war so und das wird auch in Zukunft so bleiben, egal, ob es um Nikotin, um Alkohol oder um Haschisch geht. In diesem Jahr gab es auch erstmals einen Wagen von eclipse e. V.. Dieser gemeinnützige Verein setzt mit seiner „psychedelischen Ambulanz“ auf eine besondere Form der Intervention bei Drogengebrauchern, indem er einen Raum zur Verfügung stellt, in dem Menschen während ihrer Drogenwirkung aktiv „begleitet“ werden und das ohne Verurteilung oder sozialpädagogischer Attitüde. Ein Mitarbeiter sagte im Zusammenhang mit der Hanfparade: “Es ist Augenwischerei, wenn wir annehmen, dass Jugendliche die gängigen Präventionskonzepte oder die Verbote akzeptieren, welche es in Bezug auf Drogen gibt.
Letztendlich probieren junge Menschen Drogen aus, sollte es sie in ihrem Umfeld geben. Wenn wir das nicht akzeptieren, wird es immer einen unüberwindlichen Graben zwischen einer nebulösen
Subkultur und einer autoritären Staatsmacht geben – deshalb gefällt mir der diesjährige Flyer auch so gut…“
Diese Akzeptanz einer gesellschaftlichen
Realität fehlt den Regierenden völlig. Noch immer wird über das BtmG versucht, den Substanzkonsum in unserer Gesellschaft zu regulieren. Die repressive Drogenpolitik kostet nicht
nur viel Geld, sondern führt auch ganz normale Menschen in das gesellschaftliche Abseits. Nicht nur die Macher der Hanfparade hoffen, dass es im nächsten Jahr mehr
Menschen gibt, welche für ihr Recht auf die Straße gehen, die Substanz zu konsumieren, welche sie bevorzugen, oder die ihnen hilft, ihr Leben erträglich zu gestalten.
(Bild rechts: AkuMo-Projekt, Berlin auf dem eclipse-Wagen)
Was bleibt, ist die Hoffnung, dass die Hanfparade in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnt und so einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Und das ohne das Stigma einer Kommerzialisierung, wie das bei der Loveparade später der Fall war. Das kann nur funktionieren, wenn Drogengebraucher die Angst verlieren, sich öffentlich zu ihrem Recht auf Rausch zu bekennen und nach Berlin kommen um zu demonstrieren. Dann vielleicht ist die Hanfparade auf dem Weg, ein angemessenes Mittel eines freiheitlich-demokratischen Rechtsstaats zu sein, seine Meinung zu sagen, ohne die Angst, über den Substanzkonsum einer Vorverurteilung ausgesetzt zu sein.
Presseinformationen zur Hanfparade
Um nicht den Eindruck zu erwecken, es hätte keine Berichterstattung zur Hanfparade 2011 gegeben, hier einige Artikel der öffentlichen Presse:
Pressemappe der Hanfparade vom 02.08.2011: http://www.hanfparade.de/medieninformation.pdf
06.08.2011: RBB: Pressespiegel/2011/Demonstrationen - Hanfparade zieht durch Berlin http://www.rbb-online.de/nachrichten/politik/2011_08/hanfparade_zieht_durch.html
* 06.08.2011: Tagesschau (ARD): Pressespiegel/2011/ARD: Hanfparade zieht durch Berlin http://meta.tagesschau.de/id/51693/hanfparade-zieht-durch-berlin
06.08.2011: Spiegel Online: hpi/dapd: Pressespiegel/2011/Parade in Berlin - Kiffer demonstrieren mit Hanfpflanzen http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,778778,00.html
* 06.08.2011: Berliner Kurier: Pressespiegel/2011/Hanfparade: Süßer Rauch am Alex - 2700 fordern: Dröhnung legal! http://www.berliner-kurier.de/berlin/kiez-stadt/hanfparade-berlin--demo-haschisch-marihuana/-/7169128/8768192/-/index.html
* 06.08.2011: Märkische Oderzeitung: Berlin (DDP): Pressespiegel/2011/MOZ: Hanfparade zieht durch Berlin http://www.moz.de/nachrichten/berlin/artikel-ansicht/dg/0/1/821131/
* 06.08.2011: Legal Tribune Online: Andreas Paul: Pressespiegel/2011/Legalisierung weicher Drogen - Das Cannabisverbot und die persönliche Freiheit http://www.lto.de/de/html/nachrichten/3956/legalisierung_weicher_drogen_das_cannabisverbot_und_die_persoenliche_freiheit/
* 06.08.2011: Berliner Morgenpost: dapd/sei: Pressespiegel/2011/Hanfparade zieht durch Berlin http://www.morgenpost.de/berlin/polizeibericht/article1724625/Hanfparade-zieht-durch-Berlin.html
* 06.08.2011: BZ Berlin: B.Z./dpa: Pressespiegel/2011/Rausch-Demo - Die Hanfparade zieht durch Berlin http://www.bz-berlin.de/aktuell/berlin/die-hanfparade-zieht-durch-berlin-article1242372.html
* 06.08.2011: Berliner Morgenpost: dpa/dapd/mim: Pressespiegel/2011/Freigabe gefordert - Legalize it - Hanfparade zieht durch Berlin http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article1724695/Legalize-it-Hanfparade-zieht-durch-Berlin.html
* 06.08.2011: Focus Online: ps/dapd: Pressespiegel/2011/Legalisierung von Cannabis - "Hanfparade" zieht durch Berlin http://www.focus.de/politik/deutschland/legalisierung-von-cannabis-hanfparade-zieht-durch-berlin_aid_653171.html
* 07.08.2011: TAZ: Benjamin Quiring: Pressespiegel/2011/Hanfparade in Berlin - Das Recht auf Betäubung http://www.taz.de/Hanfparade-in-Berlin/!75851/
* 08.08.2011: tutus.net Indipenden Magazin: Marco Bertram: Pressespiegel/2011/Berauschendes Berlin-Wochenende: Hanfparade und Biermeile http://www.turus.net/gesellschaft/6405-berauschendes-berlin-wochenende-hanfparade-und-biermeile.html
* 11.08.2011: Hanfjournal: Pressespiegel/2011/Die Hanfparade verklagt die Berliner Versammlungsbehörde, Presseerklärung des Veranstalters, Publiziert am: 11.08.11 - Medienformen http://hanfjournal.de/hajo-website/artikel/2011/135_august/s30_0811_Hanfparade.php
Weiterführende Informationen
Link zur Website der Hanfparade
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