Marihuana in Deutschland massiv gestreckt(zurueck)
Der Deutsche Hanfverband (DHV) schlägt Alarm: In einigen Regionen gibt es
kaum noch sauberesMarihuana. Millionen Deutsche rauchen Kunststoff, Zucker
und Schlimmeres.
Der DHV sammelt seit einigen Monaten Streckmittel-Meldungen betroffener
Cannabis-Konsumenten. Bisher sind über 300 Hinweise aus dem ganzen
Bundesgebiet eingegangen. Wichtigste Erkenntnis: Die Verbreitung
gefährlicher Zusätze scheint dramatisch zugenommen zu haben.
Berichtet wird von diversen metallischen Zusätzen, Sand, Zucker, Salz oder
einfach Erbsenmehl. Hin und wieder werden auch sehr gefährliche
Streckmittel wie Quecksilber und Blei in den Proben vermutet.
Das am weitesten verbreitete Streckmittel scheint derzeit "Brix" zu sein,
ein Produkt, das ausschließlich zum Strecken von Marihuana verkauft wird.
Es enthält Flüssigkunststoff und Zucker, die an den Blüten so antrocknen,
dass der Betrug oft nicht sofort erkannt wird.
Viele Meldungen drehen sich auch um "unbekannte Verunreinigungen". Die
Leute merken, dass mit dem "Gras" etwas nicht stimmt, haben aber keine
Möglichkeit, es testen zu lassen.
Das gestreckte Kraut führte in den meisten Fällen zu teils heftigen
Nebenwirkungen: Kopf-, Hals- und Bauchschmerzen gehören ebenso dazu wie
Übelkeit, Erbrechen, Lähmungen, Vergiftungen, Zittern und Angstzustände.
Zitate aus DHV-Streckmittel-Meldungen:
"Lungendrücken über mehrere Tage, Sodbrennen - bis hin zu Reflux, gereizte
Bronchien und geschwollene Lymphdrüsen."
"Ich hatte nur einen Kopf davon geraucht. Nach ca. 1 Minute wurde mir so
schlecht. Mein Blutdruck war 200/110, mein Puls beschleunigte in wenigen
Sekunden auf 150. Sehr starke Schmerzen im Herz- und Brustbereich."
"Nach dem Inhalieren bekommt man direkt eine Art Bronchitis und einen
"Spuckreiz", braun-grauer Schleim entstand."
"Atypische Lungenentzündung, Dauer insges. 9 Wochen, davon 3 Wochen
Krankenhausaufenthalt." (Brix-Gras)
Die Auswirkungen des Cannabiskonsums an sich sind gut erforscht.
Wissenschaftler gehen davon aus, dass ca. 10 Prozent der
Cannabiskonsumenten ein problematisches Konsummuster oder sonstige
Schwierigkeiten haben. Was aber passiert, wenn Millionen
Cannabiskonsumenten in Deutschland über Jahre hinweg Zucker, Plastik und
"unbekannte Verunreinigungen" rauchen, weiß niemand.
Deshalb meint Georg Wurth, Sprecher des Deutschen Hanf Verbandes:
"Das Verbot von Cannabis führt zu einem Schwarzmarkt mit verseuchtem
Marihuana. Das wird uns in 10 Jahren vermutlich tausende zusätzliche
Lungenkranke bescheren."
Hintergrund:
Schon seit 2006 sind Streckmittel in Marihuana (getrocknete Hanfblüten) auf
dem Vormarsch. Was bei pulverförmigen illegalen Drogen Gang und Gäbe ist,
war ein Schock für Cannabiskonsumenten: Plötzlich rieselten Sand, Talkum,
Steinmehl oder feine Glassplitter aus ihrem Rauchkraut.
Der DHV forderte Anfang 2007 die damalige Drogenbeauftragte Bätzing auf,
Verbreitung und gesundheitliche Auswirkungen der Streckmittel zu
analysieren, eine Teststelle einzurichten und den Eigenanbau von Hanf zur
Selbstversorgung zu legalisieren, wie es Tschechien mittlerweile getan hat.
Zur Zeit können sich viele Cannabiskonsumenten nur durch eigene
Hanfpflanzen vor den Gefahren der Streckmittel schützen, sofern sie nicht
ganz auf den Konsum verzichten wollen.
Im Juni 09 machte die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Kleine
Anfrage der Grünen deutlich, dass Cannabis sowieso gefährlich sei.
Warnungen vor Verunreinigungen, wie sie z.B. das englische
Gesundheitsministerium herausgegeben hat, seien deshalb als schädliche
Konsumentenberatung zu betrachten und würden den normalen Cannabiskonsum
verharmlosen.
Ende 2007 kam es dann im Raum Leipzig zur größten Massenbleivergiftung nach
dem zweiten Weltkrieg, weil skrupellose Dealer größere Mengen Marihuana mit
Blei gestreckt hatten, um ihren Gewinn zu erhöhen.
Abgesehen von einem Hinweis auf der Homepage der Bundesdrogenbeauftragten
(seit September 07) hat die Politik bis heute kaum auf dieses Problem
reagiert.
Siehe auch die Homepage vom VfD (Verband für Drogenpolitik) und dem DHV (Deutscher Hanf Verband)
Weiterführende Informationen:
Bundesregierung sieht in Warnung vor Streckmitteln Verharmlosung des
Cannabiskonsums
siehe auch: Aktuelle Pillenwarnungen
siehe auch:"Keine Ahnung für alle" (von Tibor Harrach)
Informationen zur Drugchecking Initiative Berlin Brandenburg hier
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