Psilocybin, Zauberpilze, magic mushrooms(zurück)

Psychoaktive Pilze

ZauberpilzePsilocybin ist ein Indolalkaloid und gehört zur Gruppe der Tryptamine. Psilocybin kommt in einigen Pilzarten vor, so zum Beispiel im Stropharia Cubensis oder auch im Spitzkegeligen Kahlkopf (Psilocybe semilanceata, Bild rechts) – der auch hier in Deutschland anzutreffen ist.

In Deutschland sind die Wirkstoffe Psilocybin und Psilocin als nicht verkehrsfähige Betäubungsmittel in der Anlage des Betäubungsmittelgesetzes erfasst. Das bedeutet, der Besitz und der Handel mit diesen Stoffen und den Pilzen, die diese Stoffe enthalten, sind in Deutschland strafbar.

Psychoaktive Pilze sind allerdings in einigen Kulturkreisen fester Bestandteil religiöser Zeremonien und ein Werkzeug schamanistischer Arbeit. Heute wird der aktive Wirkstoff Psilocybin/Psilocin auch in der Psycholytischen Therapie eingesetzt.

Radiomitschnitt zum Thema "Psilocybin und LSD in der Psychotherapie"herunterladen oder anhören

Allgemeines zu Psilocybin und Psilocin

Im Jahre 1957 gelang es erstmals Albert Hofmann, dem Entdecker des LSD, Psilocybin zu isolieren, zu synthetisieren und sein Wirkprofil eindeutig nachzuweisen. Im Körper wird Psilocybin zu Psilocin umgewandelt. Das Psilocin ist der Wirkstoff, von dem die halluzinogene Wirkung ausgeht. Beide Substanzen haben große Ähnlichkeit mit dem Neurotransmitter Serotonin und Psilocin wirkt direkt am 5-HT-Rezeptor ("Serotonin-Rezeptor"). Deshalb wird Psilocybin/Psilocin auch als mögliches Medikament in der Behandlung chronischer Depressionen geführt. (siehe auch: Forscher scheitert mit Magic-Mushroom-Studie)

Was bei der Einnahme von Psychoaktiven Pilzen zu beachten ist:

Psychoaktive Pilze ("Psilos") werden in der Regel oral eingenommen. Da nicht jedem der Geschmack zusagt, ist es ratsam, getrocknetes Obst und Nüsse zu den Pilzen zu essen. Das macht den modrigen Beigeschmack etwas erträglicher und ist zudem eine leichte Kost für den (hoffentlich leeren) Magen.

Zur Dosierung von psychoaktiven Pilzen

In getrockneten Pilzen liegt die Menge an Psilocybin zwischen 0,1 % und 2 %.

Pilzsorte (Getrocknet) Schwache Wirkung Wirkung Mittelstark Stark Sehr Stark
Psilocybe cubensis 0,6g - 1,3g 1,3g - 2,0g 2,0g - 3,5g 3,5g - 4,5g 4,5g - 10g
Psilocybe tampanensis 0,5g - 1,0g 1,0g - 1,8g 1,8g - 2,8g 2,8g - 3,8g 3,8g - 10g
Panaeolus cyanescens 0,3g - 0,6g 0,6g - 1,2g 1,2g - 1,9g 1,9g - 2,5g 2,5g - 5g
Psilocybe semilanceata 0,4g - 0,9g 0,9g - 1,5g 1,5g - 2,5g 2,5g - 3,4g 3,4g - 10g

Zur Wirkung psychoaktiver Pilze (Magic Mushrooms):

Nach etwa 20 – 30 Minuten beginnt die Wirkung mit einem Wärmegefühl, einer subjektiven Entspannung. Die Körpertemperatur erhöht sich, Pupillen erweitern sich, Schwindel und Übelkeit können auftreten: der Rausch beginnt. Die Tryptamine Psilocybin und Psilocin sind die hauptsächlichen, psychoaktiven Komponenten, die in halluzinogenen Pilzarten der Gattungen Psilocybe, Stropharia, Conocybe und Panaeolus enthalten sein können. Die Effekte nach Einnahme ähneln jenen eines kürzeren LSD-Trips mit diversen Wahrnehmungsveränderungen. Eine psychedelische Wirkung tritt ab ca. 10 mg Gesamtpsilocin (Psilocin + Psilocybin) ein. Die Wirkung von 15 mg Gesamtpsilocin wird als vergleichbar mit einem durchschnittlichen LSD-Trip von 250 µg (mikrogramm) beschrieben.

Die „Hochkommphase“ ist bei halluzinogenen Pilzen für einige Menschen leichter zu handhaben, als beim LSD - obwohl anderen wiederum die Pilze manchmal auf den Magen schlagen.

Die Frage, in wie weit individielle Vorlieben den Wirkungseintritt erleichtern bzw. erschweren, bleibt hier unbeantwortet. Es gibt auch Menschen mit Vorbehalten gegenüber LSD, denen in der Folge der Konsum von Pilzen "leichtfällt", und die dann angstfrei in diese Erfahrung gehen und das so Erlebte der Substanz zuschreiben und nicht ihrer inneren Haltung.

Die Dauer der Wirkung mit etwa sechs Stunden etwas kürzer als beim LSD.

Psilocybin/Psilocin verstärkt deinen vorhandenen Gemütszustand. Das bedeutet, wenn du Angst hast und nervös bist, kann es sein, dass der Wirkungseintritt als eher unangenehm wahrgenommen wird.

Psychedelika wie Psilocybin können verdrängte seelische Inhalte ins Bewusstsein befördern. Magic Mushrooms können den Blick auf innerseelische Vorgänge intensivieren und somit eine Introspektion erleichtern.

Psychoaktive Pilze zu nehmen, ist also nicht immer ein Spaziergang. Wer im Inneren klar und reflektiert ist, hat bestimmt nichts gegen eine "Introspektion" oder eine "Bewusstwerdung" ehemals verdrängter seelischer Inhalte. Wer allerdings unvorbereitet und unwissend in diesen Zustand eintritt, sollte zumindest in dieser Zeit von seinen Freunden verantwortungsvoll begleitet werden, denn manch einer hat bei diesem Blick in den Spiegel sich selbst kaum wiedererkannt.

Je nach Dosis und innerer Haltung entfaltet sich der Rausch mit manchmal starken kaleidoskopartigen Pseudo-Halluzinationen. Pseudo-Halluzinationen sind keine "echten" Halluzinationen - was in diesem Zusammenhang wichtig ist, magic mushrooms denn die Veränderung in der Wahrnehmung kann von der reisenden Person somit auf die Substanzwirkung zurückgeführt und klar von dem Rest der "Wirklichkeit" getrennt werden. Oder ganz kurz gesagt: Man kann sich seine "Optiks" (wie im Kino) ganz genau anschauen und weiß, dass sie von den Pilzen kommen. Die Selbstkontrolle ist in diesen Zuständen in der Regel zu jeder Zeit möglich, denn es bleibt ein "beobachtendes Rest-Ich" erhalten, welches ein Gefühl von Identität und damit "Kontrolle" vermittelt. Trotzdem ist auf die Teilnahme am Straßenverkehr in jedem Falle zu verzichten.

Dieser Zustand ermöglicht eine tiefe und emotional orientierte Erforschung der eigenen inneren Räume. Hierbei kann die Substanzwirkung aufsteigende und absteigende Phasen haben, welche wellenartig stärker oder schwächer wahrgenommen werden können. Die Körperempfindungen intensivieren sich, können sich aber auch kurzzeitig stark reduzieren - bis hin zu dem Gefühl körperlos zu sein. Die Gedanken und Visionen folgen keinem linearen System, sondern sind oft von tiefer Bedeutung und in Meta-Ebenen eingebettet. In einer ruhigen und sicheren Umgebung kann man an dieser Stelle unglaublich tiefgreifende und ungewöhnliche Selbsterfahrungen machen.

Genauso können Synchronizitäten und Gefühle von Zeitlosigkeit erlebt werden, außerdem ist eine starke Identifikation mit dem Selbst leicht möglich.

Genau wie beimLSD können durch Psychoaktive Pilze (Psilocybin/Psilocin) Zustände von Gedankenlosigkeit ausgelöst werden (). Oft kommt es hier zu Unsicherheiten, da man glaubt, „man könne nicht mehr denken“. Dieser Zustand ist allerdings nicht pathologisch, sondern typisch für psychedelische Drogen und er wurde in der Vergangenheit von Schamanen in heiligen Ritualen genutzt - daher auch der Name "magic mushrooms" (Zauber-Pilze).

Da Psilocybin/Psilocin ganz ähnlich wie LSD wirkt, empfiehlt es sich, den Text "Lysergsäurediethylamid (LSD 25) - der psychedelische Klassiker" zu lesen.

Interview mit Franz Vollenweider

Was vor der Einnahme von Psilocybin zu beachten ist:

Sowohl LSD wie Psilocybin sind körperlich gut verträgliche und somatisch ungefährliche Substanzen. Relative Kontraindikationen sind instabile internistische Erkrankungen, welche durch die psychologischen Auswirkungen wie Angst und Erregung verschlechtert werden können. Obwohl keine Teratogenität (fruchtschädigenden Eigenschaft) bekannt ist, sollte auf die Anwendung während der Schwangerschaft verzichtet werden. LSD und Psilocybin können als Halluzinogene mit teilweise zentral stimuliterender Wirkung bei prädisponierten Personen epileptische Anfälle auslösen.

Psychoaktive Substanzen - wie LSD und Psilocybin - sollten nicht unbedingt alleine genommen werden. Am besten zusammen mit Menschen, denen man vertraut und die man gut kennt. Außerdem sollte das Umfeld wärend der Substanzerfahrung ruhig und sicher sein. Kommt es wärend der Wirkung zu Unsicherheiten: Ruhig bleiben!

Faste vor der Einnahme von halluzinogenen Pilzen und betreibe "Psycho-Hygiene". Das heißt, mache dich geistig und körperlich leicht und unbeschwert. Wenn du nicht "gut drauf" bist, dann verzichte lieber!

Auf die Anwendung von Halluzinogenen (LSD, Psilocybin usw.) ist bei bekannten schizophrenen Psychosen, beim Asperger-Syndrom, bei Epilepsie, bei manisch-depressiven Erkrankungen und auch beiBorderline-Störungen unbedingt zu verzichten.

Ungefähre Alkaloidkonzentration getrockneter Psilocybinpilze (Quelle:Wikipedia)

Name Psilocybin [%] Psilocin [%] Baeocystin [%] Total [%]
Conocybe cyanopus
0,930–0,450
0,70-0,00
0,030-0,100
1,03–0,55
Conocybe smithii
n/a
n/a
0,40–0,80
0,40–0,80+
Gymnopilus purpuratus
0,34%
0,29%
0,05%
0,68%
Gymnopilus validipes
0,12%
0,12%+
Panaeolus.subbalteatus.3.jpg
Panaeolus cinctulus
0,150%–0,600
0,00%
0,001%–0,005
0,151%–0,605
P.azurescens.Dan.K.jpg
Psilocybe azurescens
1,78
0,38
0,35
2,51
Psilocybe baeocystis
0,85
0,59
0,10
1,54
Psilocybe.bohemica.gkoller.jpg
Psilocybe bohemica
0,93–1.34%
0,11–0.28
0,02%
1,06–1.47%
Psilocybe Cubensis.JPG
Psilocybe cubensis
0,63%
0,25–0.60%
0,02–0.025%
0,90–1.26%
Psilocybe cyanescens.jpg
Psilocybe cyanescens
0,85
0,36
0,03
1,24
Psilocybe cyanofibrillosa
0,21
0,04
n/a
0,25+
Psilocybe hoogshagenii
0,60
0,10
n/a
0,70+
Psilocybe liniformans
0,16
n/a
0,005
0,17+
Psilocybe semilanceata
0,98%
0,02%
0,36%
1,36%
Psilocybe stuntzii
0,36
0,12
0,02
0,5
Psilocybe.tampanensis.two.jpg
Psilocybe tampanensis
0,68
0,32
n/a
1,00+
Psilocybe weilii
0,61
0,27
0,05
0,93

Psilocybin und LSD bei der Behandlung von Clusterkopfschmerz (cluster headaches)

Nach rund 40 Jahren ohne nennenswerte Forschung an Psychedelika sind in jüngerer Zeit mehrere Untersuchungen durchgeführt worden. Hierbei stellte sich heraus, dass Psilocybin Cluster-Kopfschmerzen besser als herkömmliche Medikamente vorbeugt und bei einer akuten Attacke effektiver wirkt als die Gabe von Sauerstoff. Die Cluster-Kopfschmerz-Patienteninitiative (www.clusterbusters.com) versucht eine wissenschaftliche Untersuchung über die Wirkungen von Psilocybin und LSD gegen Cluster-Kopfschmerzen zu erreichen. Dazu haben sie die Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies (MAPS) involviert und Dr. Sewell und Dr. Halpern vom Harvard McLean Hospital haben zugesagt, die Studie durchführen.
Link: U.S. National Library of Medicine National Institutes of Health

Weiterführende Informationen zu psychoaktiven Pilzen:

henrik Jungaberle Henrik Jungaberle / Peter Gasser / Jan Weinhold / Rolf Verres: "Therapie mit psychaktiven Substanzen" - Das vorliegende Buch ist Produkt eines interdisziplinären Dialogs zwischen Medizinern, Sozialwissenschaftlern und Psychotherapeuten. Die Psychotherapie mit Halluzinogenen wie LSD und Entaktogenen wie MDMA (Ecstasy) findet nach einer Unterbrechung von drei Jahrzehnten wieder großes Interesse. In einem Zeitfenster von sechs Jahren war es in der Schweiz möglich, mit LSD und MDMA Psychotherapien durchzuführen und dabei wichtige Erfahrungen zu sammeln. Diese werden erstmals systematisch dargestellt und durch Beiträge namhafter Forscher und Therapeuten ergänzt. Das Buch informiert über Geschichte und State-of-the-Art Substanz-unterstützter Psychotherapie. Psycholytische und psychedelische Behandlungsansätze werden erläutert. Potenziale, Risiken und Nebenwirkungen werden bewertet. Die Autoren diskutieren die Relevanz dieser Therapieform für Medizin und Gesellschaft. Das Buch ist Produkt eines Dialogs zwischen Medizinern, Sozialwissenschaftlern und Psychotherapeuten.

Nachweis und quantitative Bestimmung von Psilocin- und Psilocybin in halluzinogenen Pilzen

In den Jahren ab 1980 und besonders nach 1995 sind mehrere irrtümliche Vergiftungen in Mittel-und Süddeutschland vorgekommen, bei denen besonders Psilocybe cyanescens spontan im Garten auf Holzresten wuchs und sowohl für den Hallimasch als auch für den Kulturträuschling gehalten wurde.

PDF-Download:
Nachweis und quantitative Bestimmung von Psilocin- und Psilocybin in halluzinogenen Pilzen.

Eine Übersicht natürlicher psychoaktiver Substanzen

Psychoaktive Substanzen haben den neugierigen Geist der Schamanen, Wissenschaftler, Künstler und Laien seit der Antike fasziniert. Während des zwanzigsten Jahrhunderts wurde die chemische Zusammensetzung der wichtigsten psychoaktiven Drogen, wie Opium, Cannabis, Koka-und "Magic Mushrooms", vollständig aufgeklärt. Die Wirkungsweise der Hauptbestandteile hat sich auch auf molekularer Ebene entschlüsselt. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Verwendung von pflanzlichen Drogen, wie Kava, Kratom und Salvia divinorum, über ihre traditionelle geografische und kulturelle Grenzen hinweg ausgedehnt.

PDF-Download:

Psychoaktive Pilze/Magic Mushrooms in Presse, Literatur und Online-Medien

siehe auch: Die Wiederkehr der magischen Pilze: Halluzinogene in der Psychotherapie
siehe auch: Beitrag bei n-tv Psychoaktive Pilze fördern Offenheit
siehe auch: Forscher scheitert mit Magic-Mushroom-Studie
siehe auch: LSD und die Modellpsychose
siehe auch: Psycholytische Therapie

Recht und Gesetz zu psychoaktiven Pilzen

In Deutschland sind die Wirkstoffe Psilocybin und Psilocin als nicht verkehrsfähige Betäubungsmittel in Anlage 1 des Betäubungsmittelgesetzes erfasst. Besitz von und Handel mit diesen Pilzen sind daher in Deutschland strafbar. Irrtümliches Sammeln muss straffrei bleiben und ist beim gleichzeitigen Vorliegen von Speisepilzen und einer schlechten Pilzkenntnis des Sammlers auch nicht anders zu interpretieren.

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