Drogen und antiretrovirale Therapie(zurück)
Diese Informationen richten sich an Menschen, die wegen einer HIV-Infektion antiretrovirale Medikamente und typische Begleitmedikamente einnehmen. Sie sind in der Altersgruppe der Drogengebraucher diejenigen, die wegen der Eigenschaften der Medikamente besonderen Risiken ausgesetzt sind. Für sie sollen hier einige Grundtatsachen dargestellt werden, aus denen sich der einzelne Vorsichtsmaßnahmen für seinen Drogenkonsum ableiten kann.
In der Lebensaltersgruppe der Konsumenten von Partydrogen sind wahrscheinlich die HIV-Infizierten diejenigen mit der größten Medikamentenbelastung überhaupt. Es gibt in diesem Lebensalter nur selten Erkrankungen, bei denen mit solcher Häufigkeit Medikamenten verordnet werden, die fast alle auf den Stoffwechsel von Drogen einwirken, das heißt, die den Abbau von bestimmten Substanzen verlangsamen oder behindern.
Im wesentlichen können fünf Typen von unerwünschten Wechselwirkungen entstehen:
- Droge senkt den Spiegel der Medikamente
- Medikament senkt den Spiegel der Droge
- Droge hebt den Spiegel der Medikamente
- Medikament hebt den Spiegel der Droge
- Medikament und Droge verstärken pychotrope Wirkung
Senken die Medikamente den Spiegel der Drogen, so ist das eine harmlose Wechselwirkung. Nur die
Drogenwirkung ist schwächer.
Hebt die Droge den Medikamentenspiegel kommt es zu einer Verstärkung der Nebenwirkungen, die
zum Spektrum des Medikaments gehören. Die Droge kann dann zusammen mit der jeweiligen
Medikamentenkombination nicht mehr eingenommen werden.
Hebt eines oder mehrere der verordneten Medikamente den Spiegel der Droge kann es nicht nur zu
unangenehmen sondern auch lebensgefährlichen Störungen kommen. Einerseits wird die gewünschte
Wirkung der Droge verstärkt und mindert in der Regel die Wahrnehmung der Körperstörungen, die
durch den hohen Drogenspiegel an den inneren Organen eintreten.
Eine letzte Komplikation ist die wechselseitige Verstärkung der psychotropen Wirkungen zwischen
Medikamenten und Drogen. Hierbei entstehen extrem unangehneme seelische Zustände mit
unkontrollierbaren Impulshandlungen. Ein Beispiel dafür ist die gesteigerte Aggressivität durch die
Kombination von Kokain und Sustiva.
Im Folgenden sollen die bis jetzt bekannten Wechselwirkungen dargestellt werden. Das
Eintreten dieser Wechselwirkungen ist sicher. Sie benötigen nicht irgendwelche zusätzlichen
individuellen Faktoren.
Ziagen, Fortovase
Spiegel wird durch Alkohol erhöht
NNRTI + PI
erhöhen in unterschiedlichem
Ausmaß den Spiegel von Ecstasy,
Amphetaminen, Crystal, Ice, liquid
ecstasy, Ketamin, Benzodiazepinen
Opiate
Spiegel werden durch Sustiva,
Viramune und Viracept gesenkt
Ketamin
Spiegel werden durch Sustiva,
Viramune und Viracept gesenkt
Cannabis
erhöht den Spiegel von Ecstasy,
Amhetaminen, Crystal, Ice,
Benzodiazepinen
Alkohol
Lebertoxische Wirkung wird durch
Amphetamine gesteigert
Bio-Drogen (Stechapfel, Tollkirche usw)
unkontrollierbare
Auswirkungen auf Herzfunktion,
Kreislauf und Magen-Darm-Trakt
wenn zusammen mit LSD, Mescalin,
Ecstasy, Amphetaminen, Ice, Crystal
eingenommen
Was bei Partydrogen und HIV-Erkrankungen zu beachten ist:
Allgemein gilt: Nimm Drogen und HIV-Medikamente zeitlich versetzt ein. Das mindert ggf. Wechselwirkungen etwas ab. Dosiere Drogen bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten immer niedrig. Oft wird die Nacht lang – nimm ausreichend Medikamente mit und halte deine Einnahmezeitpunkte ein. Sprich mit Deinem Arzt über die Wechselwirkungen deiner HIV Medikamente mit Rauschmitteln!
HIV und Poppers:
Zwischen Poppers und HIV-Medikamenten sind bislang keine gefährlichen Wechselwirkungen bekannt. Proteasehemmer können ggf. die Wirksamkeit von Poppers erhöhen – vorsichtig dosieren!
HIV und Speed:
Gemeinsamer Konsum von Speed und Proteasehemmern (Ritonavir (Norvir/Kaletra)) kann zu gefährlichen Wirkstoffsteigerungen in Deinem Blut führen. Vorsicht es besteht große Gefahr ungewollter Überdosierungen. Ebenso kann der Wirkspiegel der HIV Medikamente steigen und dadurch ihre Nebenwirkungen verstärken.
HIV und XTC
Achtung: Die Einnahme von Proteasehemmern (v.a. Norvir) / NNRTIs und XTC kann zu lebensbedrohlichen Wirkstoffmengen von XTC in Deinem Blut führen.
HIV und GHB
Vorsicht Lebensgefahr: Proteasehemmer können schon bei geringer GHB-Dosis zu einer tödlichen GHB-Konzentration im Körper führen. Vorsicht: große Gefahr von Atemdepression, Koma, epileptischen Anfällen!
HIV und Pilze
Es sind keine gefährlichen Wechselwirkungen bekannt, ggf. kommt es bei gleichzeitiger Einnahme von Proteasehemmern und Sustiva zu einer Verstärkung der Wirkung – dosiere niedrig!
HIV und Ketamin
Insbesondere Proteasehemmer und Sustiva verstärken/verlängern die Ketaminwirkung (Vorsicht: Halluzinationen und Bewusstseinsverlust). Ritonavir (Norvir, Kaletra) erhöhen das Risiko einer Leberentzündung.
Weblink:
Unabhängige Informationsplattform: HIV-Symptome.de
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